Montag, 5. Oktober 2009

Schuhgröße 237

Das sind fast 200 mehr als ich habe - wobei mir auffällt, dass ich keine Ahnung hab, welche Maßeinheit bei Schuhgrößen zu Grunde liegt. Aber das ist vielleicht mal ein Thema für einen anderen Blog. Hier geht's nämlich um die beiden Riesen, die am Einheits-Wochenende durch Berlin gezogen und sind, um einander zu suchen. Da gab's zum einen einen 15 Meter großen Taucher und zum anderen die 7,5 Meter große "kleine Riesein", seine Nichte. Die Wiedervereinigung der Beiden sollte an die Geschichte von Ost- und Westdeutschland erinnern, aber ich glaube, im Wesentlichen war die 2-tägige Wanderung der beiden durch Berlin ein großes Spektakel für die zahlreichen Zuschauer, die aus aller Welt angereist waren.


Symbolträchtige "Riesen"-Umarmung am Einheitstag
Berlin (dpa) - Wiedervereinigung am Brandenburger Tor: Beim Mauerfall vor 20 Jahren fielen sich dort Ost- und Westdeutsche glücklich in die Arme.

Am Tag der Deutschen Einheit spielten zwei "Riesen" dieses bewegende Ereignis der deutschen Geschichte nach - und die Freude bei mehreren hunderttausend Zuschauern war riesig.

Eine faszinierte Menschenmenge begleitete den 15 Meter hohen Großen Riesen und die siebeneinhalb Meter große Kleine Riesin der französischen Compagnie Royal de Luxe den ganzen Samstag über durch die Stadt. Wie bei Jonathan Swifts "Gulliver" sorgten Dutzende rotlivrierte Helfer wie Liliputaner mit Seilwinden dafür, dass sich die Figuren so natürlich wie möglich fortbewegten.

Am Sonntag verteilten die Riesen auf der Straße des 17. Juni Kopien von Briefen, die einst die DDR-Staatssicherheit abfing und die ihre Empfänger nie erreichten. Noch einmal zogen sie damit Zehntausende in ihren Bann und weckten Erinnerungen an die schmerzhafte Zeit der deutsch-deutschen Teilung.

Die aus Holz, Stahl und Schrott zusammengebauten Puppen wirkten tatsächlich lebensecht, wenn sie ihre ferngesteuerten Augen über die kleinen Menschen zu ihren Füßen schweifen ließen, mit den Wimpern klimperten und sich ihre Brust wie atmend hob und senkte.

Behutsam nahm am Samstag der in einem Taucheranzug steckende Große Riese an Berlins Wahrzeichen die Kleine Riesin nach langer Trennung in die Arme. Langgezogene "Ah!" und seufzende "Oh!" waren im dicht gedrängt stehenden Publikum zu hören. Die Frage, ob das nun Kitsch oder Kunst sei, trat da gänzlich in den Hintergrund.

Erstmals waren die meterhohen Puppen in Deutschland zu sehen. An jeweils einem Punkt in Ost und West gestartet, fanden sich Onkel und Nichte nach zweitägiger Odyssee durch Berlin wieder. In der fantastischen Theaterversion des 55-jährigen Regisseurs Jean Luc Courcoult waren Meeresungeheuer für die Trennung der Figuren verantwortlich. Wenn auch die leicht krude Geschichte nicht ganz überzeugte, waren doch die Puppen schon Kunstwerke für sich.

Allein 50 Pferdeschweife wurden für die Perücke der Kleinen Riesin mit der gelben Regenjacke verarbeitet. Ihre Augen sind Glaskörper aus Straßenlaternen, ihre Wimpern bestehen aus Besenhaar. Auf einem Feldhäcksler befestigt bewegte sie sich mit 2,5 Kilometern in der Stunde durch die Stadt. Auf einer Metallkonstruktion hinter der Puppe saßen Helfer der insgesamt 200 Mann starken Theatergruppe und lenkten per Seil und ausgeklügelter Mechanik die überraschend geschmeidigen Bewegungen der Figur.

Ganz langsam hatte sich der Große Riese am Samstagmorgen aus dem Wasser am Humboldthafen erhoben. Er hat Schuhgröße 237 und trug für seinen Berliner Auftritt eine Taucherglocke auf dem Kopf. "Ich schenke den Menschen Träume, das ist alles", hatte Courcoult seine Inszenierung erklärt. "Das hier ist eine Geschichte fürs Herz und zugleich eine Geschichte über die Menschheit", so der Regisseur.

Quelle: Newsticker der dpa auf Zeit Online


Schade, dass ich das nicht gesehen habe! War von Euch jemand da?

Eine schöne Woche wünscht