Montag, 24. Oktober 2011

Zufällig erfolgreich?

Für den beruflichen Erfolg braucht es nicht nur eine solide Ausbildung, Einsatzbereitschaft und gutes Selbstmanagement - oft braucht es auch eine gesunde Portion glücklichen Zufalls. Das Problem daran: Den Zufall kann man eben nicht steuern. Oder etwa doch? Erfolgreiche Menschen haben ein gutes Gespür für Chancen, die ihnen das Leben bietet - und greifen im richtigen Moment zu.

Quelle: mbaintheusa.com
Vom Metzger-Lehrling zum TV-Moderator, vom Taxifahrer zum Außenminister, vom Schauspieler zum amerikanischen Präsidenten. Es sind extreme Lebensläufe wie die von Stefan Raab, Joschka Fischer oder Ronald Reagan, die Hermann Scherer interessieren.

In seinem Buch "Glückskinder" hat er sich die Frage gestellt, warum diese Menschen so erfolgreich sind beziehungsweise waren. Er fand heraus: Sie haben Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und ein großes Netzwerk. Aber vor allem haben sie, was Scherer Chancenintelligenz nennt. Darunter versteht er die Fähigkeit, sich Chancen zu erarbeiten, sie zu erkennen und zu nutzen.

Eine Chance sei dabei nicht das Jobangebot, das Bewerber in der Zeitung finden. Und es sei auch nicht der genau geplante Aufstieg auf der Karriereleiter. Eine Chance liege meistens vielmehr direkt vor der Nase. Viele würden sie nur nicht erkennen. Um sie zu sehen, müsse man gegen den Strich denken und auch einmal gegen die Gewohnheit handeln.

Ein gutes Beispiel sei Stefan Raab, der den Eurovision Song Contest zunächst veralberte, dann mit seiner eigenen Produktionsfirma auf nationaler Ebene nachbaute und schließlich Lena 2010 zum Erfolg führte. Nur Raabs Fähigkeit, in dem European Song Contest eine Chance zu erkennen, ihn gegen den Strich zu denken, führte zu dem großen Erfolg, den er mit ihm hatte.

"Der Schlüssel ist Initiative", schreibt Scherer. Scherer plädiert für den Perspektivenwechsel. Ein Prozess müsse in einen völlig neuen Kontext gestellt werden. Das sei allerdings harte Arbeit. Und planen lasse es sich in der Regel auch nicht. [...]

Allerdings könne man Chancen nur erkennen, wenn man sich der eigenen Ziele, Wünsche und Stärken bewusst sei. Nur mit einer guten Vorbereitung, Selbstkenntnis und einer klaren Karrierestrategie geben wir unserem Gehirn die Möglichkeit, zufällige und doch relevante Informationen zu erkennen und darauf zu reagieren, so Struss: "Unsere Wahrnehmung lässt uns nur das bewusst erkennen, wofür wir ein Referenzsystem haben."

Chancenintelligenz entwickelt man daher durch Bewusstwerdung, durch Initiative überall dort, wo wir Einfluss haben - und Gelassenheit, wo der Zufall agiert, ergänzt der Hamburger Unternehmensberater Jens Braak. In seinen Interviews mit Menschen, die erfolgreich mit dem Unplanbaren umgegangen sind, stellte der Autor fest: "Wer offen ist für den Zufall, verfügt über eine gewisse innere Unabhängigkeit und fühlt sich wie von einer Welle getragen - auch wenn es gerade mal nicht so wie geplant läuft."

Schließlich gebe es immer Entwicklungen, für die wir nichts können, seien es positive Überraschungen wie der erste Kontakt zu einem potenziellen Geschäftspartner oder aber Schicksalsschläge wie eine schwere Krankheit. "Das können Sie nicht durch Strategien, durch Nachdenken und Planen verhindern." Wohl aber auffangen könne man es durch einen vernünftig gelassenen Umgang mit dem Auf und Ab des Lebens: "Niemand ist seines Glückes alleiniger Schmied."

Quelle: sueddeutsche.de

Viele Grüße,
Eure