Montag, 7. November 2011

Weniger Stress durch mehr Arbeit?

Auf den ersten Blick klingt es absurd. Aber eine neue Studie hat herausgefunden, dass neben dem Job geleistete ehrenamtliche Arbeit dabei hilft, Stress im Beruf abzubauen.

Quelle: materna-tmt.de

Wer sein Berufsleben angenehmer gestalten will, kann auch außerhalb des Büros ansetzen und sich sozial engagieren. Damit hilft man nicht nur anderen, sondern profitiert auch selbst: Freiwillige Arbeit hilft, Stress zu bewältigen.

Zu tun gäbe es immer genug – man könnte beim Kücheneinbau im Asylbewerberheim helfen, ein Fest im Kinderheim vorbereiten oder den Senioren im Altenheim einen Kuchen backen. Aber wer hat schon Zeit, sich neben seinem stressigen Beruf für andere zu engagieren?

Was wie eine zusätzliche Bürde erscheinen mag, wirkt für manche wie eine Befreiung. Katrin Tamme etwa engagiert sich in München bei der Stiftung Gute Tat, und wenn sie bei einer Ferienfreizeit Jugendliche betreut hat, geht sie anschließend viel motivierter zurück an ihren Arbeitsplatz bei einer Bank.

Wer anderen hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes, gerade in Bezug auf das Berufsleben kann soziales Engagement Wunder bewirken: Menschen, die am Feierabend Sinnvolles tun, lassen sich am nächsten Tag im Büro durch stressige Situationen nicht so leicht die positive Stimmung verderben und schaffen es, auch dann noch gut zuzuhören. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Psychologin Sabine Sonnentag von der Universität Mannheim. Sie interpretiert das Ergebnis so, dass Menschen, die außerhalb des Berufslebens Anerkennung bekommen, im Job weniger unter Stress leiden, da sie die Probleme dort als nicht so entscheidend für ihr Wohlbefinden einschätzen.

Tatsächlich ist der Anteil der Menschen, die sich freiwillig engagieren, bei den 40- bis 49-Jährigen besonders hoch. 42 Prozent der Personen in dieser Altersgruppe engagieren sich sozial – obwohl sie ja meist mitten im Berufsleben stehen.

Um bei kurzzeitigen Projekten wie dem Umbau im Asylbewerberheim oder der Feier im Kinderheim zu helfen, können sich Freiwillige spontan bei der Stiftung Gute Tat melden. Die vermittelt sie an soziale Einrichtungen oder gemeinnützige Vereine, die gerade Unterstützung brauchen.

Auch im Urlaub suchen viele Berufstätige nach einem Sinn, den sie im Job offensichtlich nicht finden. Immer neue Anbieter stellen sich auf diese neuen Wünsche ein, die Tourismusbranche nennt den Trend »Voluntourism«, in Anlehnung an den Begriff volunteer, Freiwilliger. Die Urlauber pflanzen im australischen Outback Bäume, betreuen in kolumbianischen Slums Straßenkinder oder setzen ihre handwerklichen Fähigkeiten dazu ein, ein paar Wochen lang bei einem indischen Unternehmen mitzuarbeiten.

Was die Menschen dazu bewegt, in den Ferien zu schuften und dafür oft auch noch Geld auszugeben, kam bei einer Studie heraus, die Harald Pechlaner beaufsichtigte. Er beschäftigt sich an der Universität Eichstätt-Ingolstadt mit Voluntourism.

Befragt wurden Berufstätige, die im Sommer auf kleinen Bauernhöfen in den Alpen bei der schweren Arbeit halfen. »Darunter waren auch wohlhabende, erfolgreiche Manager, Politiker oder höhere Beamte«, sagt Pechlaner. Viele sagten, sie wollten durch die Arbeit ihr Gewissen beruhigen – sie hätten erkannt, dass sie ihre Position auch durch Glück erreicht hatten. »Was sie von der Gesellschaft bekommen hatten, wollten sie ihr zurückgeben.«

Quelle: zeit.de

Das finde ich faszinierend. Offenbar kann man mit ehrenamtlicher Arbeit zugleich sich selbst und anderen etwas Gutes tun. Na dann: Ran an die Arbeit!

Viele Grüße,
Eure